Wir glauben, wir würden die vollkommene Liebe erleben, wenn wie selbst vollkommen wären. Eigentlich tragen wir tief in uns die Vorstellung, dass nur Traumpaare richtig glücklich sein können. Liebe ist unsicher, und das ist schwer auszuhalten. Perfektion, so glauben wir, würde die Liebe sicher machen. Denn wenn wir perfekt wären, würden wir uns auch selbst liebenswert finden. Aber wir bewundern Perfektion nur, wir lieben sie nicht. Und ein gute Selbstwertgefühl bedeutet nicht, alles an sich gut zu finden, sondern die eigenen Unzulänglichkeiten freundlich zu akzeptieren. (BRIGITTE 3/2010, S. 114)
Und Bas Kast schreibt in seinem Buch „Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt“, Frankfurt am Main 2004:
Viele Menschen „irren von Beziehung zu Beziehung auf der Suche nach dem perfekten Partner. Immer wieder sind sie enttäuscht. Irgendwie will ihnen der Traummann oder die Traumfrau einfach nicht über den Weg laufen. Warum nicht? Warum ist das Leben nur so gemein zu ihnen?
Weil keiner diesen Menschen das Wasser reichen kann. Sie werden immer enttäuscht sein. Und das hat einen einfachen Grund: Diese Menschen jagen einem Hirngespinst hinterher. Sie wollen nicht einsehen, dass eine ideale Partnerschaft nicht heißt, dass der Partner ideal ist.
Es heißt vielmehr, dass Sie lernen, mit den Unterschieden umzugehen. Diese Unterschiede wird es immer geben, in jeder Beziehung. Sie müssen also damit fertig werden, genau wie die anderen mit ihren Schwächen fertig werden müssen.“ (…)
Keiner hat diese Herausforderung knapper zusammengefasst als der amerikanische Eheberater Daniel Wile. Er sagt: `Partnerwahl heißt Problemwahl.` Wenn Sie einen Partner fürs Leben wählen, dann wählen Sie auch eine bestimmte Anzahl unlösbarer Probleme, mit denen Sie sich dann `in den nächsten zehn, zwanzig oder gar fünfzig Jahren herumschlagen müssen, so Wile. „In einem gewissen Sinn ist eine Beziehung der Versuch, mit den negativen Seiten der Münze zurechtzukommen, deren positive Seite man liebt und bewundert.` (…) Oder wie es des Schriftstelle Otto Flake ausgedrückt hat: `Liebe ist der Entschluss, das Ganze eines Menschen zu bejahn, die Einzelheiten mögen sein wie sie wollen.`“ (S. 180f.)