„Immer gerate ich an den falschen Mann! Warum finde ich keinen Partner?“ Gehörst auch Du zu den vielen Frauen, von denen immer wieder dieser Stoßseufzer zu hören ist? Dann geht es Dir wie Bettina. Um die 37jährige, die seit 15 Jahren keine längere Beziehung mehr hatte, dreht sich das Beratungsgespäch mit dem Paartherapeuten Michael Mary, dessen Protokoll in der Zeitschrift BRIGITTE, Heft 2/2010, S. 101-103, zu lesen ist. Es ist nicht so, dass es der attraktiven Bettina an Verehrern mangelt, oh nein. Aber sie steckt in einem Dilemma, das wohl jeder kennt: die Männer, die ihr gefallen, wollen sie nicht, und die, denen sie gefällt, die will sie nicht.
Oft hat sie das Gefühl, dass diese Männer sie gar nicht wirklich als Person kennen lernen wollen, sondern ihr Knall auf Fall ihre eigenen Erwartungen überstülpen, die nichts mir ihr gar nichts zu tun haben. Und die Männer, die sie mag, verschwinden über kurz oder lang, ja in letzter Zeit wird die Zeitspanne bis zum Verschwinden immer kürzer. Und so beanwortet Bettina die Frage nach dem idealen Partner: Einer, der ganz für mich da ist, der mir Sicherheit und Geborgenheit gibt, auf den ich mich voll und ganz verlassen kann. Was sie erlebt, ist aber immer wieder das genaue Gegenteil davon: der Mann verlässt sie, und sie reagiert darauf mit Verachtung und Wut, sie stößt den Mann weg und will mit ihm nichts mehr zu tun haben.
Gemeinsam mit ihrem Therapeuten Michael Mary und nach seiner Methode der „Erlebten Beratung“ erarbeitet sie sich folgende Erkenntnis: Sie reagiert mit heftiger Abwehr nicht nur dann, wenn sie verlassen wird, sondern schon dann, wenn sie sich verlassen fühlt. Und das – so stellt sich heraus – ist bereits bei Kleinigkeiten der Fall. Ein Mann hat innerhalb einer Woche keinen Termin für sie frei? Dann hat er ja wohl nie Zeit für sie, wird nie voll und ganz für sie da sein und kann gleich gehen! Bettina reagiert weniger auf ihr Gegenüber als auf ihre eigenen enttäuschten Erwartungen. Sie selbst lässt den Mann fallen, projiziert dieses Verhalten dann auf ihn und bestätigt auf diese Weise ihre eigenen negativen Erwartungen.
Klar wird im Laufe des Gesprächs auch, dass Bettina sich gegenüber den Männern, die sie neu kennen lernt, genau so verhält wie die Männer, von denen sie sich nicht wahrgenommen fühlt: sie stülpt ihnen ihre Erwartungshaltung „Sei ganz für mich da!“ über, anstatt mit ihnen in einen Austausch zu treten, der von Interesse und Neugier getragen ist. Und wenn sie ihre Erwartungshaltung nicht sofort erfüllt sieht, dann wird der Mann gleich weggeklickt: „Abchecken, passt nicht, aussortieren – zack, weg!“, so sagt sie selbst. Sie erkennt dieses Verhalten als egoistisch und selbstbezogen und kommt im Folgenden zu dem Schluss: Sie wird in Zukunft geduldiger sein, dem Mann eine zweite Chance geben, triftige Gründe für seine Terminschwierigkeiten akzeptieren, sich für ihn interessieren und bereit sein, für einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten in eine Beziehung zu ihm zu treten, um ihn wirklich kennen zu lernen: „Bevor ich zu früh sage: ‘Es ist der Falsche’, würde ich herausfinden, wie ich zu der Meinung komme. Ich würde versuchen, herauszufinden…“ Und nun bewegt sie ihre Hände aufeinander zu, es sieht aus „wie ein behutsamer Tanz, ein Wechsel von Nähe und Abstand, ein vorsichtiges, neugieriges Abtasten.“ Bettina ist bereit, sich in Zukunft anders zu verhalten: Statt vorschnellem Aussortieren ein allmähliches Näherkommen und Herausfinden, ob sie und er vielleicht zusammen passen, zusammen kommen. Ausprobieren und Herausfinden.